BKG Prunksitzung 2012

19.02.2012 15:54

BKG Baumholder MinigardeBaumholder. Das gab es ganz selten bei einer Prunksitzung der Baumholderer Karnevalsgesellschaft (BKG). Unmittelbar vor der Pause erhoben sich am Fastnachtssamstag die knapp 400 Besucher in der Brühlhalle von ihren Plätzen, applaudierten, jubelten. Wunderkerzen leuchteten im Saal. Und Sitzungspräsident Frank Meschenmoser zündete gleich zwei Raketen für die Minigarde. Noch eine Seltenheit: Die Zuschauer hatten Tränen in den Augen und Gänsehaut.

So ergreifend war die Darbietung der jungen Tänzer. Das Michael-Jackson-Medley endete mit „Heal the World“ - und eben diesen Emotionen. Besonders in seinen Bann zog Justice Little die Masse – er zeigte nicht nur den „Moonwalk“ perfekt, sondern auch ansonsten eine einwandfreie Interpretation des „King of Pop“. Übrigens, auch das gab es noch nie: Zum ersten Mal tanzte ein Junge in der Minigarde.

BKG Baumholder Prinzenpaar Katja und FrankNoch eine Seltenheit war die Anreise des Prinzenpaares. Katja I. und Frank II. kamen extra vom Bodensee. Denn das Baumholder Mädel hat die Liebe nach Konstanz verschlagen – wegen der Fastnacht kam sie jedoch samt ihres Prinzen zurück in den Westrich.

Ganz und gar nicht neu: Die BKG bot ein sehr ausgeglichenes, rund fünfstündiges Programm unter dem Motto „2012 ein bunter Mix – So war noch nix“. Den Anfang machten – auch das ist alles andere als neu - die Fanfarenbläser Peter Glück, Tim Lorscheider, Erhard Becker, Jakob Scherne und Desiree Rausch.

Ebenfalls zum Standardprogramm der BKG gehören politische Spitzen der Lokalkanone Dieter Heinz und der Westrich-Sänger. Zeitverzögerungen am Badesee, Polizei-Reform, Goldener Engel oder auch das Krankenhaus waren Themen, die die Narren beschäftigten. Im Hinblick auf den 2012 ausfallenden Triathlon schlug Heinz vor, am trocken gelegten Badesee das „OIE-Baumholder-Badesee-Baustellen-Rennen“ anzubieten – und grundsätzlich Watt-Wanderungen, um den Tourismus anzukurb

eln. Angesichts des Regens, der den See immer wieder mit Wasser füllte, könne man durchaus von Ebbe und Flut am Badesee sprechen. Und auch dem baufälligen Hotel zur Post nahm sich der BKG-Vorsitzende an: „Da muss von der Stadt her schnell was passiere, bevor wir vom ersten Steinschlag-Opfer höre.“

Kritik an der Stadtspitze äußerten auch die Westrich-Sänger. Vor allem in bezug auf die drohende Schließung der Polizei-Inspektion Baumholder im Herbst des vergangenen Jahres: „Die Pläne waren lang genug bekannt; keiner tat was seitens Stadt und Land.“ Aber auch die Westrich-Sänger warteten mit einer Neuheit auf: Als Zugabe präsentierten sie unter der Leitung von Tina Hauch „The Lion sleeps tonight“ - und das a cappella.

BKG Baumholder Martim Kaps

Neue Gesichter auch in der Bütt – und allesamt machten ihre Sache richtig gut. So war Gisela Möller erstmals als Tratschweib neben dem altbekannten Peter Pickard zu sehen. Die beiden zogen als „Luwis und Lisbeth“ über stadtbekannte Persönlichkeiten her. Gleiches machten auch Maren Meschenmoser als Wäschfrau – als junges Mädel schon ein alter Hase – und „Tourist“ Julian Staudt, der seinen Premieren-Auftritt souverän meisterte. Sie bezeichneten Baumholder als die „Stadt der drei Meere“: Komme man von Kusel, sehe man ein Häusermeer, komme man von Berschweiler, sehe man ein Lichtermeer; und komme man nach 22 Uhr, sehe man gar nichts mehr.

Gleich einen zweifachen Auftritt legte Neuling Martim Kaps hin – einmal in der Bütt` als „Nachwuchsbüttenredner“, ein zweites Mal als Dirigent. Im schwarzen Anzug und mit einer ungeheuer starken Gestik und Mimik begeisterte er rein pantomimisch das Publikum.

Bernd Mai war noch nicht auf der Bühne, da hatten er und sein Partner Jürgen Geibel das Publikum bereits auf ihrer Seite. „Wir machen heute nix“, kündigte Mai im Zuschauerraum an – und auf diese Aussage baute die gesamte, äußerst durchdachte Rede auf, die gespickt war von gewohntem „Kokolores der Spitzenklasse“, wie es Meschenmoser stets ausdrückt, aber auch von Seitenhieben auf die Stadtspitze.

 

BKG Baumholder Bernd Mai & Jürgen GeibelGenau wie Mai und Geibel schon seit Jahren das Sitzungsprogramm prägen, so tun dies auch die Tanzgruppen der BKG. Von den Wonneproppen bis zum Männerballett – alle Tänze sind ausgereift und originell. Eben ein Aushängeschild des Vereins. Aber in diesem Jahr schafften es fast alle Tänzer, sogar noch eine Schippe draufzulegen. Ob die Wonneproppen als „Wickie und die starken Männer“ über die Bühne wirbelten, ob Michelle Trum als Tanzmariechen fungierte, oder ob die Prinzengarde mit einer ausgefeilten Choreografie überzeugte – der Beifall der Masse sowie „Raketen“ waren ihnen sicher. Eine optische Täuschung der besonderen Art boten die „Damen ohne Namen“, die unter dem Motto „Black and White“ dank Blacklight und schwarz-weißer Anzüge für Verwirrung und Begeisterung sorgten. Von „Männertanzkunst in allerhöchster Vollendung“ sprach der Sitzungspräsident gar nach dem Auftritt des Männerballetts zum Abschluss der Sitzung. Als Römer zeigten die BKGler, dass ein Männerballett mehr kann als Blödeleien. Ihr Tanz war anspruchsvoll, witzig und originell. Aber auch die Hitparade fehlte nicht - so waren Herbert Grönemeyer oder auch Modern Talking in Baumholder. Besonders einfallsreich und gut interpretiert war die Nummer von Ralf Miguletz am Klavier und Yannick Simon, der playback Georg Kreislers „Taubenvergiften“ sang.

BKG Baumholder MännerballettAber bei aller Originalität und moderner Interpretation, waren es doch die Klassiker, die dieses Mal besonders gelangen. Selten zeigten die Garden dermaßen synchrone Gardemärsche wie in diesem Jahr Prinzen- und Jugendgarde. Da stimmte einfach alles.

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